Historie und Neuzeit unter einem Dach vereint - STZ 24.03.06

HESSENHOF Thüringer Landesamt für Denkmalpflege stellt in den nächsten zwei Jahren 200 000 Euro für Sicherung der Iwein-Malerei zu Verfügung

Historie und Neuzeit unter einem Dach vereint

Der Hessenhof am Neumarkt rückt wieder in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Auf der Suche nach Möglichkeiten, dem denkmalgeschützten Gebäude das Interesse zukommen zu lassen, das es verdient, soll nun Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus helfen.

SCHMALKALDEN – Die Gelegenheit war günstig. Prof. Heinz-Peter Höller, Rektor der Fachhochschule, und Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann nutzten am Dienstag den Besuch des Ministerpräsidenten bei der GFE, um ihn im Anschluss an die Einweihungsfeier in den Hessenhof „zu entführen“. Angeschlossen hatte sich auch Landrat Ralf Luther, der bereits seine Fühler in verschiedene Richtungen ausgestreckt hat, um das Projekt Hessenhof voranzutreiben.

Das Gebäude, das aufgrund seiner G eschichte und der im Keller „überlebten“ ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen zu den Kulturdenkmalen Thüringens mit internationaler Bedeutung gehört, ist seit etwa zehn Jahren im Besitz der Fachhochschule. Kultusminister Prof. Jens Goebel selbst war es, der in seiner damaligen Funktion als Rektor der FH in der Übernahme des Hessenhofes eine große Chance sah, die Studenten in die Innenstadt zu holen. Doch diese tummeln sich nach wie vor auf dem hochmodernen Campus am Blechhammer. Im geschichtsträchtigen Hessenhof betreibt nur ein Professor – wie passend – Schlafforschung.

Original erst sichern

Doch ganz aus den Augen verloren hat die Ho chschule ihren „Außenposten“ nicht. Immer wieder mahnte der Rektor Handlungsbedarf an. Spätestens seit bekannt geworden war, dass der Iwein-Bilderzyklus stark gefährdet ist und Stimmen laut wurden, den Gewölbekeller einfach zuzuschütten, schlug er Alarm – unterstützt von engagierten Denkmalpflegern, die im Vorjahr einen Spendenfonds einrichteten, um Geld für die Sicherung der Malereien zu sammeln. Denn der Hessenhof kann erst dann saniert werden, wenn die zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen Iwein-Fresken „konserviert“ sind.

Doch das Land, im Speziellen das Kultusministerium, scheint, so der Eindruck von Prof. Höller, keine Neigungen zu verspüren, in Schmalkalden noch einmal zu investieren. Etwa 3,5 Millionen Euro wären nötig. Wenn dieses Geld nur aus dem Topf für Hochschulbauten zur Verfügung gestellt werden kann, sehe er schwarz, so der Rektor. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, den Hessenhof wieder der Stadt Schmalkalden zu übergeben. Diese habe eine wesentlich größere Chance, in absehbarer Zeit das Haus sanieren zu lassen, verwies der Rektor auf die Inanspruchnahme von verschiedenen Förderprogrammen oder privaten Initiativen. Eine Idee, die auch nach Ansicht von Ministerpräsident Dieter Althaus weiter verfolgt werden sollte. Er unterstützte den Gedanken, mit dem Hessenhof einen Anlaufpunkt für Studenten in der Innenstadt zu schaffen. Denn die Hochschule will sich nicht gänzlich zurückziehen, sondern als Mieter die Räumlichkeiten nutzen, machte Rektor Höller deutlich. Althaus regte an, alle Beteiligten so schnell wie möglich an einen Tisch zu holen, um Alternativen zu diskutieren.

Viel Zeit sollte man angesichts des baulichen Zustandes und vor dem Hintergrund des 800. Geburtstages der heiligen Elisabeth 2007 – die 1226 ihren Fuß über die Schwelle des Hessenhofes gesetzt haben soll - nicht mehr verstreichen lassen.

Die Aufgabe des Moderators will Landrat Ralf Luther übernehmen.

Entwurfsplanungen

Ganz am Punkt null steht man dabei nicht.
Im Auftrag des Staatsbauamtes Erfurt hat die Rüdiger Lehrmann & Partner GbR bereits eine Vorentwurfsstudie „Ausbau des Hessenhofes für die Fachhochschule“ erarbeitet. Darin enthalten sind nicht nur eine Bestandsaufnahme zur Bausubstanz, sondern auch Lösungsansätze für Umgestaltungsmaßnahmen sowie ein Raum- und Nutzungskonzept. Im Rahmen der Bestandsaufnahme ist beispielsweise zutage getreten, dass sich im ersten Obergeschoss und eventuell auch im darüber liegenden Dachgeschoss zwei Festsäle aus dem 16. Jahrhundert befunden haben könnten. Von denen, werden sie saniert, letztlich auch die Stadt Schmalkalden profitieren könnte. Fehlt ihr doch seit der Schließung des Riesensaales ein größerer repräsentativer Raum. Bei seinen Untersuchungen hat das Planungsbüro dringenden Handlungsbedarf festgestellt. Die vorgefundene Subs-tanz befinde sich in ihrer Gesamtheit „keinesfalls in einem befriedigenden Zustand“, heißt es in der Studie. Die unter anderem durch bauliche Eingriffe in den letzten Jahrhunderten verursachten Schäden an der primären Tragstruktur „müssen als äußerst kritisch bezeichnet werden“. Gute Nachrichten gibt es indes für den Iwein-Keller. Wie am Rande des Besuches von Dieter Althaus bekannt wurde, hat das Thüringer Landesamt für Denkmalschutz für 2006 und 2007 jeweils 100 000 Euro für die Sicherung der Malereien zugesichert. Der Fachhochschule ist es ihrerseits gelungen, einen Spezialmörtel zu entwickeln, um das international bedeutsame Kunstwerk der Nachwelt zu erhalten.

Die Versuche seien abgeschlossen, sagte Prof. Höller. Die Sicherungsmaßnahmen sollen in Kürze beginnen.

Filmprojekt vorgestellt

Museumsleiter Dr. Kai Lehmann ist sich sicher: Im Jahr der heiligen Elisabeth 2007 werden viele Gäste nach Schmalkalden kommen. Unter ihnen vielleicht auch der Ministerpräsident, zur Premiere der 30-minütigen Zeitreise an den Hof von König Artus. Im Keller des Hessenhofes bekam Dieter Althaus bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das geplante 3-D-Kino, das vom Museum Schloss Wilhelmsburg in Kooperation mit der Fachhochschule Schmalkalden vorbereitet wird (vgl. Ausgabe vom 18. Februar) . Und, so war ebenfalls am Dienstag zu erfahren, zu 100 Prozent privat finanziert werden soll. Für zwei Studenten der Fachhochschule, die sich im TGF eingründen wollen, könnte das Filmprojekt der Start in die Selbstständigkeit sein. (sö)

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