Wenig Appetit nach der Völlerei - Freies Wort 26.01.08

Ritter Iwein und die heilige Elisabeth sorgen für gute Besucherzahlen

Wenig Appetit nach der Völlerei

Schmalkalden Museumsleiter Dr. Kai Lehmann blickt im Großen und Ganzen zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. 35 000 Gäste besuchten Schloss und Museum Wilhelmsburg, 20 Prozent mehr als 2006. Lehmann kennt den einzig wahren Grund: Die 3D-Animation über Ritter Iwein und die Tafelrunde zieht magisch an.

Ohne dieses Highlight, da ist sich der Museumschef sicher, würde die Statistik anders aussehen. Seit der Premiere am 21. Juli 2007 haben etwa 10 000 Gäste aus nah und fern Bekanntschaft mit Ritter Iwein geschlossen. Die Resonanz auf dieses besondere Angebot ist überwiegend positiv, sagt Lehmann. Viele Gruppen seien begeistert, würden nach der Aufführung sogar Applaus spenden, was ihn persönlich besonders freue. Der Aha-Effekt trete anschließend bei der Besichtigung der Kopie der Iwein-Sage ein, so Lehmann.

Die Kinderkrankheiten des Films, die jetzt nach und nach behoben werden, fallen offensichtlich mehr den Einheimischen als den Touristen auf. Es ärgere schon, wenn nach jedem Haar in der Suppe so lange gesucht wird, bis es gefunden ist. Spätestens im 2. Halbjahr soll die Neuauflage der 3D-Animation starten, kündigt der Museumsleiter an. Ob dann im neuen Vorführungsraum, könne er nicht sagen. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten habe jedenfalls mit dem Ausbau des Raumes begonnen.

Kooperationen zahlen sich aus

Gute Erfahrungen hat das Museumsteam im Vorjahr mit der Kombi-Eintrittskarte gesammelt. Heißt, dass die Besucher die Filmvorführung mit einem Museumsrundgang verbinden. Bei seinen zahlreichen Führungen spürt Dr. Lehmann das Interesse der Gäste an der Reformation. Die seinerzeit von Dr. Dieter Eckardt konzipierte ständige Ausstellung Aufbruch in eine neue Zeit stoße nach wie vor auf große Resonanz. Natürlich haben Stadt, Schloss und Museum im vergangenen Jahr auch von den Festlichkeiten und Aktivitäten rund um die heilige Elisabeth profitiert. Auf der einen Seite gab es unzählige Angebote seitens des Schmalkalder Arbeitskreises. Dr. Lehmann erinnert nur an die zahlreichen Vorträge, an Konzert, Ausstellungen und die Museumsnacht. Andererseits kamen viele Gäste mit der Elisabeth-Card in die Fachwerkstadt. Mit dieser konnten Besucher einen Tag lang kostenlos Museen, Kirchen und andere Einrichtungen besichtigen. Etwa 1000 Card-Besitzer wurden an der Schmalkalder Museumskasse registriert. Erfreulich nahm Dr. Lehmann zur Kenntnis, dass neben dem Schloss auch das Technische Denkmal Neue Hütte und das Besucherbergwerk Finstertal im Blickpunkt des Interesses stand.

Wieder mehr forschen

Enttäuscht ist der Museumsleiter dagegen über die mäßigen Besucherzahlen bei Ausstellungseröffnungen und Konzerten. Weder die Beatles-Ausstellung, noch die Karikaturen von Heinz Jankowsky oder die Konzerte hätten das einheimische Publikum ins Schloss gezogen. Einen Grund macht Dr. Lehmann im kulturellen Überangebot aus: Kunsthaus, Cellarius-Bibliothek, Heinrich-Heine-Bibliothek, Landratsamt. Und in den Sommermonaten lockt mittlerweile fast jeder Verein mit irgendeinem Fest. Wir werden die Veranstaltungen in diesem Jahr etwas zurückfahren und wieder stärker in die Grundlagenforschung einsteigen, kündigt Dr. Lehmann an.

Feste Größen bleiben indes die Klassik-Nacht, die Orgel-Konzerte in der Schlosskirche, die Sommerfilmnächte, die Museumsnacht, die sich diesmal dem Thema Irland zuwendet, der Museumslauf und die Veranstaltungen in der Herrenküche. Mit einer Sonderausstellung über die Geschichte der Abrafaxe (Mosaik) hofft der Musuemsleiter, Publikum anzuziehen. Die Weihnachtsausstellung widmet sich wahrscheinlich der Barbie-Puppe.

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